Verein für Heimatkunde Gunzenhausen e.V.

Nachrichten

Beiträge für Alt-Gunzenhausen

 

An die fünfzehn Beiträge zur regionalen Historie wird das nächste Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ enthalten. Das kündigte Vorsitzender Werner Falk auf der Vorstandssitzung des Verein  für Heimatkunde im Gasthaus „Zur Altmühlbrücke“ an.

Schriftleiter und 2. Vorsitzender Werner Mühlhäußer, der hauptamtlich als Stadtarchivar tätig ist, hat die Arbeiten von 15 Autoren vorliegen, darunter etliche Verfasser, die das erste Mal  für die Publikation des Vereins schreiben. Werner Somplatzki, der Kreisheimatpfleger für Archäologie, befasst sich mit einem frühgeschichtlichen Siedlungsplatz bei Unterasbach, Sieglinde Buchner, die Kreisarchivpflegerin, schreibt zu Epitaphien als Informationsquellen und geht konkret der Frage nach, wer unter der abgetretenen Grabplatte im Heidenheimer Münster bestattet ist. Ferner widmet sie sich der Geschichte von Nordstetten.

Die konfessionellen Verhältnisse und Sprengelstrukturen der Pfarreien im Kalbensteinberger Land beleuchtet Dr. Daniel Schönwald, der stellvertretende Chef des Landeskirchlichen Archivs in Nürnberg. Über den Dreißigjährigen Krieg in Gunzenhausen und Wolframs-Eschenbach schreiben Stadtarchivar Werner Mühlhäußer bzw. Stadtheimatpfleger Oskar Geidner. „Die Familie Motzel in Arberg“ stellt Karl Rieger vor, während sich Wolfgang Pfahler mit dem Gunzenhäuser Oberkaplan Paul Dayb und seinen Leichenpredigten für Sibylla Maria Rosa (1712s) und Christoph Lorenz Meelführer (1717) befasst. „Der ansbachische Baudirektor Leopoldo Retti und seine Tätigkeit in Gunzenhausen“ stellt Werner Mühlhäußer in einem weiteren Beitrag vor.

Werner Kugler, der vormalige Dekan von Heidenheim, hat unter der Überschrift „Sitzplätze 1., 2. und 3. Klasse und kostenfreie Notsitze“ einen Beitrag zu den Kirchenständen in der Martinskirche von Degersheim (1788) verfasst. Auf die „Orgeln in der Spitalkirche zu Gunzenhausen im  18. bis 20. Jahrhundert“ gehen Tobias Kleemann und Max Pfahler ein und Werner Neumann beschäftigt sich in einem weiteren Beitrag mit dem Armenwesen in Gunzenhausen im 19. Jahrhundert.

Der Begründer des Missionsfests in Gunzenhausen war Pfarrer Johann Friedrich Wucherer in Aha. Über seine Werke schreibt Dr. Joachim Schnürle, stellvertretender Chefarzt des Kurheims Hensoltshöhe, während sich Christian Breit über die Feier „50 Jahre Liederkranz“ im Jahr 1884 auslässt.   In Aussicht stehen noch Beiträge „Ein Abriss der  katholische Volksschule in Gunzenhausen“ von Günter Dischinger und  die „Mühlen in Muhr“ von Günther L. Niekel.

Wie Vorsitzender Werner Falk bekanntgibt, wird der Verein auch im Winterhalbjahr die Reihe von historischen Vorträgen fortsetzen und im neuen Jahr wieder die bewährten „Samstagsexkursionen“ abhalten.

 

 

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Auf der Burg Abenberg

Im Rahmen seiner Reihe „Samstagsexkursionen“ besuchte  der Verein für Heimatkunde Gunzenhausen mit seinem Vorsitzenden Werner Falk die Burg Abenberg. Im Haus fränkischer Geschichte begaben sich die Teilnehmer mit der ausgesprochen sachkundigen Führerin Frau Engl auf eine lebendige "Zeitreise durch Franken" vom Mittelalter bis heute: Wie kann man sich das Leben im Mittelalter vorstellen? Wie entwickelte sich Franken in der beginnenden Neuzeit? Wie wirkten sich Reformation, Bauernkrieg und 30-jähriger Krieg auf die Bevölkerung aus?

Bei der Entdeckungstour durch das Klöppelmuseum, die einzelne Teilnehmer unternahmen,  waren einzigartige Kunstwerke der Spitzenkunst zu sehen.  Nach der Burgführung trafen sich die Teilnehmer im Landhaus Kaiser, wo sie bestens bewirtet wurden. Unser Foto zeigt einen Teil der Gruppe auf dem einstigen Ritterplatz, der heute noch Schauplatz mittelalterlicher Kultur ist und der gerne von Konzertagenturen für ihre Events genutzt wird.

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Das Ziel ist Abenberg

Im Rahmen seiner Reihe „Samstagsexkursionen“ besucht der Verein für Heimatkunde Gunzenhausen am Samstag, 27. Juli, die Burg Abenberg, und zwar  von 15.30 bis 17.30 Uhr. Im Haus fränkischer Geschichte begeben sich die Teilnehmer auf eine lebendige "Zeitreise durch Franken" vom Mittelalter bis heute: Wie kann man sich das Leben im Mittelalter vorstellen? Wie entwickelte sich Franken in der beginnenden Neuzeit? Wie wirkten sich Reformation, Bauernkrieg und 30-jähriger Krieg auf die Bevölkerung aus? Bei der Entdeckungstour durch das Klöppelmuseum sind einzigartige Kunstwerke der Spitzenkunst zu sehen.  Die Besucher erfahren, unter welch harten Bedingungen geklöppelt wurde und wie sich die Herstellung von Spitzen bis heute entwickelt hat. Eine Klöpplerin wird dieses einzigartige Kunsthandwerk vorführen. Nach der Burgführung ist eine Einkehr im Landhaus Kaiser in Abenberg (Windsbacher Straße 32). Treffpunkt ist um 15.30 Uhr am Parkplatz neben der Burg.

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Von den Verwandten Andreas Osianders

„Andreas Osianders Verwandte in Gunzenhausen und Meinheim“ nennt sich ein gemeinschaftlicher Beitrag von Werner Kugler (früher Dekan in Heidenheim) und Werner Mühlhäußer (Stadtarchivar in Gunzenhausen), der in „Alt-Gunzenhausen“ (Jahrbuch 73)  veröffentlicht ist.

Ist der Schmiedssohn aus Gunzenhausen nun 1496 oder 1498 in der Altmühlstadt geboren worden? Die Quellen lassen rätseln. Der Theologe, der schon früh die Stadt verließ, um sich an der Universität dem Theologiestudium zu widmen, war ein Verfechter der Lutherischen Reformlehre. Vorfahren von ihm können in der Nachbarschaft des Klosters Auhausen gelebt haben, aber ganz sicher ist, dass Vater Endres (Andreas) und Mutter Anna in der Schmiedsgasse (heute: Rathausstraße) lebten und dort eine Schmiede betrieben. Der Vater war auch Bürgermeister und Ratsherr. Der junge Osiander  kam offenbar – so die Annahme von Werner Mühlhäußer – mit den Gelehrten der benachbarten jüdischen Synagoge in Kontakt, denn er trat später als Kenner der hebräischen Sprache und der jüdischen Mystik in Erscheinung.

1515 ist der Name schon belegt, und war in einer Immatrikulationsurkunde der Universität Ingolstadt: „Andreas Osanner de Guntzenhausen clerius Eystetensis“ (der Zusatz besagt: Kleriker der Diözese Eichstätt). Ob zuvor schon seine Primiz in Gunzenhausen stattgefunden hat, ist nicht bekannt.  1522 kam Osiander an die St. Lorenz-Kirche in Nürnberg, wo er Weggefährte des Malers Albrecht Dürer, des Ratsherrn Willibald Pirckheimer und des Meistersingers Hans Sachs war. Er gilt als der Hauptverfasser der Kirchenordnung von 1533, die weit über Nürnberg hinaus Geltung hatte – auch im Fürstentum Brandenburg-Ansbach. Später ging Osiander nach Königsberg, wo er auch als Theologieprofessor an der Albertus-Universität wirkte bevor er dort 1552 starb.

Über seine Verwandten in Gunzenhausen ist bisher gar nichts bis wenig bekannt. Der Historiker Werner Mühlhäußer geht davon aus, dass er auf jeden Fall zwei Schwestern hatte: Margarethe, die mit ihm nach Nürnberg und Königsberg ging, und eine namentlich nicht bekannt, die in Gunzenhausen heiratete und von der noch 1544 in den Kirchenbüchern von der Eheschließung „mit Osianders Vetter“, dem Schuster Hans Kistner, die Rede ist.  Osiander war also damals schon als Nürnberger „Starprediger“ bekannt, sonst hätte der beurkundende Pfarrer wohl nicht auf den prominenten Status des Bräutigams hingewiesen. Kistner dürfte nach Mühlhäußers Forschung ein Neffe, also der Sohn einer Schwester Andreas Osianders, gewesen sein.

Von Osiander weiß der Theologe und Heimatforscher Werner Kugler,  der die Traubücher  Nürnbergs zu Rate gezogen hat - sie sind die ältesten Traubücher Deutschlands -, dass er dreimal verheiratet war: mit der aus Weißenburg stammenden Catherine Preu (1525), der wohlhabenden Nürnberger Witwe Helena Künhofer (1537) und  mit der Nürnberger Arzttochter Helena Magenbuch (1545).  Neun Kinder findet der Familienforscher: Lucas, Agnes, Veronika, Katharina (aus erster Ehe), Susanne, Katharina und eine namentlich nicht bekannt Tochter (aus zweiter Ehe) sowie Ursula und Elisabeth (aus dritter Ehe).

An der Universität Ingolstadt trifft der junge Osiander auf den Professor Johann Eck, der später als scharfer Luther-Gegner bekannt wird. Beide streiten sich öffentlich: Eck muss sich gefallen lassen, dass sein ursprünglicher Name Johann Maier (aus Egg an der Günz) sei, Osiander wiederum wird herablassend als „Schmiedssohn aus Auhausen“  tituliert, der sein Theologiestudium abgebrochen habe.

Auf der Suche nach Verwandten ist Werner Kugler in Meinheim fündig geworden. 1542 tauschten Michael Beck (Kurzenaltheim) und Leonhard Kreißelmeier (Meinheim) die Höfe, die sie  jeweils zum Lehen von Adelsfamilien erhalten hatten. Michael Beck leistet sich wohl ganz ahnungslos einen Vorgang, der Folgen haben sollte. Er verkaufte ein Feldlehen aus dem erworbenen Hof vier Monate später an den Meinheimer Caspar Zech. Dazu war er aber nicht berechtigt. Das hat er später auch bereut. Er fühlte sich überrumpelt. In seiner Not erinnerte sich Beck an seinen prominenten Verwandten Andreas Osiander, zu dieser Zeit einflussreicher Mann in Nürnberg.  Dieser schrieb 1543 an den Ansbacher Markgrafen und bat um Gnade für Beck mit dem Ziel, die Enteignung zu verhindern.  Osiander nannte Beck „den Sohn des Bruders meiner Mutter“, dem er von Herzen zugeneigt sei und den er als „frommen, unverschrobenen, gottesfürchtigen und ehrliebenden Menschen“ kenne. Er sei wohl zum Kauf verführt worden, habe sich sonst aber „unsträflich, freundlich und nachbarlich“ verhalten und der Fürsprecher vergaß auch nicht auf dessen „fromme Frau und noch nicht groß gezogene Kinder“ hinzuweisen. Der Verkauf solle daher vom Markgrafen als „kraftlos und nichtig“ erklärt werden.  Der Heidenheimer Klosterverwalter Johann Mundtscheller, den der Fürst zu Rate zog, bestätigte die Ehrhaftigkeit Becks, verschwieg aber in seiner Stellungnahme, dass er selbst bei der Beurkundung dabei war und somit eigentlich von der Unrechtmäßigkeit des Kaufvertrags hätten wissen müssen, aber dennoch nicht widersprochen habe.  Immerhin: Osiander stieß auf einen gnädigen Markgrafen, der die Rückführung des Grundstücksgeschäfts besiegelte, so dass Michael Beck auf dem Hof bleiben konnte.  Unmissverständlich ließ der Ansbacher Herrscher wissen, der Lehensnehmer solle sich künftig „solcher unerlaubten Besitzveränderungen enthalten“.

WERNER FALK

 

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Keine starken "Duftmarken" gesetzt

Wolfgang von Crailsheim und sein Bruder Johann Ulrich waren im 17. Jahrhundert zwei markgräfliche Oberamtmänner in Gunzenhausen. Der eine war sieben Jahre im Amt, der andere 15 Jahre.  Ein Zahlenspiel fällt dabei auf: beide hatten mehr Kinder als Dienstjahre in der Altmühlstadt, Wolfgang 10, Johann Ulrich 17.

Es ist eine genealogische Fleißarbeit, die von der Historikerin Siglinde Buchner aus Weißenburg geleistet wird. In „Alt-Gunzenhausen“ (Ausgabe 73/2018), dem Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde Gunzenhausen, stellt sie die beiden fürstlichen Verwalter im markgräflichen Oberamt Gunzenhausen vor und geht dabei auf die weit verzweigten Familien ein. Ihr Beitrag mag auf Anhieb als Überforderung erscheinen, aber wer sich darauf einlässt, der ist in hohem Maße beglückt, von den Verästelungen der Familien zu erfahren. Ihre Forschungsergebnisse sind gleichsam ein Spiegelbild der niederadeligen Gesellschaft im 17. Jahrhundert.

Wolfgang (Wolf) von Crailsheim wurde als 14-Jähriger Page am Wiener Hof, diente drei Jahre als Reitersoldat und heiratete dann Anna Petronella Zorn von Plobsheim, die Hofdame der Ansbacher Markgräfin Henriette Luise von Brandenburg-Ansbach. Sie entstammte einem  alten Straßburger Patriziergeschlecht und gebar zehn Kinder.  Die Autorin stelle alle Kinder und ihren Anhang ausführlich vor, beispielsweise das fünfte Kind.  Georg Wolf war von 1683-1705 Verwalter des markgräflichen Oberamts Hohentrüdingen, 1712 wurde er zum Oberhofmeister  des Markgrafen Albrecht ernannt. Eine seiner Töchter war übrigens mit Carl Friedrich von Zoach verheiratet, dem bekannten markgräflichen Baumeister, der seine „Duftmarken“ auch im Gunzenhäuser Land hinterließ.  Oberamtmann Wolfgang von Crailsheim war nach seiner Zeit in Gunzenhausen ab 1659 Chef des Oberamts Cadolzburg, baute die markgräfliche Leibgarde auf und kaufte für den Herrscher das Gut Deberndorf bei Cadolzburg. Seine Frau Anna Petronella starb 55-jährig. Sie ist in der Pfarrkirche Sommersdorf beigesetzt. Des Oberamtmanns zweite Frau war die Witwe Dorothea von Bröck aus einem niederen ostpreußischen Landadel. Die 16-jährige Ehe blieb kinderlos. Die Frau starb mit 51 Jahren, ihr Mann zwei Jahre später im Alter von 78 Jahren.

Der zweite Oberamtmann aus der Crailsheimer Sippe war Johann Ulrich (1669-1684), der Bruder von Wolfgang. Er war in bayerischen Kriegsdiensten und nahm 1645 an der zweiten Schlacht bei Nördlingen teil. Verheiratet war er mit Anna Rosine Kresser, deren Familie Schloss Burgfarnbach bei Fürth erworben hatte. Die „Gebärmaschine“ von elf Kindern starb schon im Alter von 39 Jahren.  Die zweite Frau des markgräflichen Verwalters in Gunzenhausen war Anna Maria Freiin von Praunfalk. Sie gebar sechs Kinder.  Ihr viertes Kind, die Tochter Christina Dorothee Juliana war übrigens verheiratet mit einem Hohentrüdinger Oberamtmann (Balthasar Heinrich von Wackerbarth), zwei ihrer Söhne sind auf dem Bergfriedhof bestattet.  Nicht recht vorzeigbar war das fünfte Kind: Wilhelm Friedrich galt als lasterhaft, liederlich, unchristlich und verschwenderisch und seine Frau behandelte er „wie ein Stück Vieh“. Anna Maria starb nach neun Ehejahren 37-jährig, danach führte ihre Schwester Eva Regina von Praunfalk den Haushalt des Herrn. Johann Ulrich von Crailsheim begab sich 1679 in das Weißenburger Wildbad, wo er sich Linderung von seinen Leiden versprach  – allerdings vergeblich.

WERNER FALK

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